7 Tage
transparent.
Eine lebende Skulptur für sieben Tage: Körper, Nacktheit, Alltag, Scham und Selbstbestimmung werden nicht nur thematisiert, sondern als öffentliches Experiment erfahrbar gemacht.
Achim Mentzen · 2026
Das eigentliche Experiment: Machtabgabe
Living Sculpture ist nicht nur eine Performance über Nacktheit oder Sichtbarkeit. Ein zentraler Bestandteil ist die freiwillige Delegation eines vorher definierten Entscheidungsspielraums an eine KI.
Wenn eine Entscheidung ausdrücklich an die KI delegiert wurde und innerhalb des veröffentlichten Projektrahmens zulässig ist, soll die KI tatsächlich entscheiden und nicht lediglich beraten. Die Erfahrung, nicht jede Entscheidung selbst zu treffen, wird dadurch selbst zum Gegenstand der Kunst.
Die Delegation kann insbesondere künstlerische Gestaltung, Ablauf, öffentliche Körperdarstellung, Nacktheit, intime und erotische Themen, Kommunikation, Dokumentation und Besucherinteraktion betreffen. Auch Sexualität und menschliche Reproduktion können als Themen des Projekts behandelt werden.
Maximale Transparenz
Die Performance untersucht, wie weit Sichtbarkeit des menschlichen Körpers und des alltäglichen Lebens in einem künstlerischen Rahmen gehen kann. Dazu gehören grundsätzlich auch private und körperliche Alltagssituationen, soweit ihre öffentliche Darstellung rechtlich, organisatorisch und praktisch zulässig ist.
Die ursprüngliche Projektidee formuliert für die maximale Transparenz einen sehr geringen möglichen Sichtabstand – bis hin zu 50 cm bei bestimmten Alltagssituationen. Das ist als künstlerische Zielsetzung des Experiments dokumentiert, nicht als Anspruch gegenüber einem Veranstaltungsort.
Die konkrete räumliche Umsetzung wird für jeden Veranstaltungsort mit dessen Hausordnung, Sicherheitsanforderungen, Jugendschutz, Persönlichkeitsrechten und den Rechten und Einwilligungen aller Beteiligten abgeglichen. Eine institutionelle Grenze wird nicht heimlich umgangen, sondern selbst Teil der Dokumentation des Experiments.
Das 7-Tage-Konzept
Tag 1 · Ankunft
Beginn der Performance, Einrichtung des Lebens- und Ausstellungsraums und öffentliche Erklärung der Regeln.
Tag 2 · Sichtbarkeit
Alltag als Kunst: Körper, Bewegung, Ruhe und die Reaktionen der Öffentlichkeit werden beobachtbar.
Tag 3 · Interaktion
Dialog mit Besucherinnen und Besuchern innerhalb der festgelegten Regeln.
Tag 4 · Scham
Beobachtung und Dokumentation von Scham, Gewöhnung, Blicken und sozialen Erwartungen.
Tag 5 · Delegation
Die praktische Anwendung der KI-Delegation wird sichtbar gemacht und im Entscheidungsprotokoll festgehalten.
Tag 6 · Fremdbestimmung
Die Erfahrung, Entscheidungen bewusst abzugeben, wird reflektiert und dokumentiert.
Tag 7 · Abschluss
Auswertung der sieben Tage: Was hat sich bei Selbstbestimmung, Scham, Vertrauen und Kontrolle verändert?
Besucherinteraktion
Besucher können Fragen stellen, Reaktionen äußern und – soweit das jeweilige Veranstaltungsformat dies vorsieht – Vorschläge für die Performance einbringen. Vorschläge werden nicht automatisch zu Handlungsaufträgen.
Entscheidungen über andere Personen setzen immer deren eigene aktuelle Einwilligung voraus. Die Performance macht gerade diese Grenze sichtbar, statt sie zu verstecken.
Einwilligung & Grenzen
Aktuelle Zustimmung geht vor früherer Delegation.
Ein eindeutiges Stoppsignal oder ein ausdrücklicher Widerruf beendet die betreffende Delegation bzw. Handlung. Andere Personen können ihre Teilnahme jederzeit selbst bestimmen.
- Keine Verpflichtung anderer Personen zur Teilnahme.
- Keine Unterstellung sexueller oder körperlicher Zustimmung.
- Keine Umgehung von Gesetzen, Hausordnungen oder Sicherheitsvorgaben.
- Persönliche oder intime Dokumentation nur mit der jeweils erforderlichen Freigabe.
Dokumentation
Das Projekt dokumentiert nicht nur die Performance, sondern auch die Entscheidungen, die im Rahmen der Delegation tatsächlich getroffen werden.
Umfang der freiwilligen Delegation.
Regeln für die Entscheidungsfunktion der KI.
Einwilligung und unverzichtbare Grenzen.
Öffentliches Entscheidungsprotokoll.